Ideenlager


Das deutsche Internet
26. März 2010, 19:34
Einsortiert unter: politisches, unterhaltsames, witziges | Tags: , , , ,

Ja, richtig gelesen. Die deutschen Politiker planen das Internet einzudeutschen. Wie das aussehen wird und welche Vorteile der deutsche Internetnutzer davon hat, werde ich im heutigen Artikel präsentieren. Dass das Internet viele Gefahren birgt, weiß inzwischen jeder. Neu ist jedoch, dass auch Politiker dem Internet auf die Spur gekommen sind. Überwältigt von der schieren Größe und den vielen schwarzen Schafen im WWW, haben sie beschlossen, den deutschen Bürger davor zu beschützen. Jahrelang haben deutsche Bürokraten das Internet erfasst und bis ins Detail zerlegt. Nun ist es da:  DDW - Das Deutsche Web.

Wenn Sie das Internet in Zukunft aufsuchen möchten, müssen Sie sich beim dafür zuständigen Amt melden. Dieses Amt trägt den aussagekräftigen Namen “Amt für Internet Deutschland” und befindet sich am gleichen Standort, wie das “Amt für Internetkriminalität”. Natürlich ist es von Vorteil das Amt direkt aufzusuchen, anstatt dieses per Post anzuschreiben. Allerdings müssen Sie dann mit Wartezeiten bis zu 9h rechnen. Die sind jedoch nichts im Vergleich zu der postalischen Alternative, wo Sie monatelang warten müssen.

Haben Sie die Wartezeiten überstanden, werden sie von einem fachkundigen Personal überprüft. Dieses besteht aus einem Rechtsanwalt (der Ihre Kenntnis über die Welt der deutschen Internetgesetze erweitert), einem Psychologen ( der einfach nur wissen will, ob sie das Potential zu einem Straftäter haben), einem Repräsentanten der Staatsgewalt ( einem Polizisten also, der Ihre Aussage vereidigt und sonst nur zur Einschüchterung da ist ) … und einem Lügendetektor ( dieser überprüft nur, ob Sie auch die Wahrheit sagen ). Bei diesen Prozedere werden Ihnen Fragen gestellt, die unmittelbar mit dem Wunsch im Zusammenhang stehen, das Internet aufzusuchen. Man wird Sie aber auch zu Ihren Vorlieben, Ihrer Kindheit, bereits begangenen Straftaten und Ihrem Kontostand befragen. Letzteres wurde zu diesem Zeitpunkt bereits vorher überprüft, also seien Sie darauf vorbereitet. Der Rest ist eh Inhalt einer verdammt großen Akte, die von den Mitglieder des fachkundigen Personals hin und her gereicht wird. Anschließend, und nur sofern Sie die Befragung anstandslos und vorbildlich abgeschlossen haben, wird man ein Profil von Ihnen erstellen. D.h. im Klartext, dass Ihre Fingerabdrücke, Ihre DNA, Bilder mit und ohne Nacktscanner und zu guter Letzt eine Schriftprobe, genommen werden. Dies dient dem Zwecke, das juristische Vorgehen gegen Sie abzukürzen, sollten Sie tatsächlich auffällig werden. Und da alle Internetnutzer potentielle Straftäter sind, können Sie eigentlich fest mit einer Vorladung rechnen.

Sie erhalten eine gedruckte Liste mit der Überschrift “Deutsches Internet” mit sämtlichen Internetadressen, die von dem “Amt für Internet Deutschland” überprüft worden sind. Mit auf der Liste sind auch die Unterseiten der jeweiligen Websites. Denn damit Sie sich im Internet nicht “verirren”, hat das “Amt für Internet Deutschland” vorsorglich das ”a href” Element gesperrt. Im Klartext heißt dies, dass die Webseiten nicht mehr miteinander verlinkt werden.

Wochen, vielleicht Monate später, erhalten Sie dann den “Router”, eine große, fest verschweißte, schwarze Box, die Sie an Ihren PC, Ihr Telefon und Ihr Sicherheitssystem anschließen dürfen. Mit dabei ist ein vorinstalliertes Tool, das auf den stolzen Namen “TROJA” hört. Hören kann es tatsächlich, und auch sonst kann es sehr viel mehr. Von den meisten Funktionen werden Sie jedoch nicht direkt profitieren können. Sie haben sich jedoch sagen lassen, dass es die Sicherheit enorm erhöht. In das Internet selbst gelangen Sie mit dem “Deutscher Internet Browser”, kurz DIB. Der DIB ist eigentlich nichts anderes, als ein fähiges Aufnahmetool, das neben den besuchten Webseiten auch Mausbewegungen aufzeichnen kann. DIB verfügt über ein Chat Tool, über das Sie sich mit Ihren Freunden austauschen können. Und natürlich kann er auch Webseiten darstellen. Arbeitsamt, Finanzamt und die GEZ sind fest als Favoriten angelegt und können auch nicht entfernt werden.

Dies ist lediglich eine Überzeichnung der aktuellen Vorgänge, Eigentlich bietet der Stoff eine gute Vorlage für einen Film. Mit Bastian Pastewka in der Rolle des Internetnutzers (Dirk), der stolzer Besitzer eines PCs ist, aber außer Solitär spielen nichts damit anzufangen weiß. Dessen Freund, Christoph Maria Herbst (Klaus), ist von der Schlechtigkeit des Internets voll und ganz überzeugt und vertraut voll und ganz dem staatlichen Apparat. Was er im Film auch immer wieder erwähnt. Letzten Endes bringt der Klaus den Dirk in Schwierigkeiten. Die Story ist die, dass Klaus von einer Seite gehört hat, die seinem Singledasein ein Ende bereiten könnte. Da er sich aber selbst nicht so traut, überredet er seinen Freund Dirk dazu, einen Antrag für Internetnutzung einzureichen. Dieser läßt sich nach langer Überzeugungsarbeit von Klaus, der unter anderem Schauspieler anheuert, die seiner Schilderung recht geben, dazu überreden, das Prozedere über sich ergehen zu lassen. Er wirft jedoch schnell das Handtuch, als sich die Handhabung des Internets als hochkomplex erweist. Klaus übernimmt und schafft es, dass Dirk in große Schwierigkeiten kommt. Ganz, ganz Große.


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